Nov
30
2009
2

Milchstraßengeschichten, perspektivisch.

unter der nächtenen Kathedrale
tanzt
das knochige Frauenzimmer mit dem Mädchen
Tango.
Median, freudenlos, starrt trübe
in den Tee, sieht Nachtmahrsfetzen
wabern, wo der ferne
Buttermond süßt.
Frau Sehnsucht greift
milde lächelnd seine
Hand, er schlürft und schlurft,
ein Xylophon
schlägt klappernd Takt und Melodie.

Aurora kommt
in ihrem zwitschernden Kleid und
sieht Frau Sehnsucht
plaudern, Paleiko erzählend
von neuen Traumesreisen.

Stein um Bein erwarte ich
vergebens den nächsten Schlag,
wie wohl mir ist,

Written by pillenknick in: [ˈlyːrɪk], fanum | Schlagworte: , , , , , ,
Nov
16
2009
1

1546

sprossenbewohntes Bett
gleitet unter meinen Füßen fort
von frisch verpflanztem Herzgrund.
Kirschkuss bleibt daheim und
ich mit ihm und wir beiden
fahren auch gen Fort.
Frau Sehnsucht sitzt im Glaswachshaus,
sieht wie die Welt dazwischen wächst
erfreut an ihrem Werk
und doch voll Reue,
denn sie tat, was sie muss.
Nicht, weil sie will.
Ihr Tee aus Buttermondens Saft,
schon bald ist er versalzen.

Written by pillenknick in: [ˈlyːrɪk], fanum | Schlagworte: , , , , ,
Nov
15
2009
0

1813 - unterwegs/die graue Frau

Rauschendes, rollerndes, pockriges Wummern dröhnt bis in die Winkel und füllt den bogenüberdachten offenen Raum namens Bahnhof, als ich über abgenutzte, gummibeklebte Stufen den Zug gen Dann erklimme.
Einstige Luft schlägt mir entgegen, voll nachgehangener, zurückgebliebener Gedanken, eine schwere, schwüle und verbrauchte Luft, schon berührt und durchwirbelt von neuen alten Gedanken, Reisegedanken, Erinnerungen an das Gerade-noch, Hoffnungen auf das Bald-schon, voller Ach-schade, Und-gleich und Hmm. Ich rieche die  Einsamkeit im Getümmel, spüre, wie jeder seinen Pfaden nachhängt, sie alle vereint in der Schicksalsgemeinschaft der Bahnfahrer, ausgeliefert dem Bahngott und seinem sarkastisch-satyrischen Humor.
Ein letzter freier Sitzplatz, als hätte er nur auf mich gewartet, lasse ich mein Reisegepäck fallen als die Türen sich schließen und die rollfähige Blechdose den Bahnhof verlässt. Warum heißt es eigentlich “Reisegepäck”, ist es doch nur ein bruchteil aller Utensilien, die man bei sich führt, die man wirklich während der Reise benötigt, während es doch mitunter fünfundneunzig Prozent des Gepäcks sind, welche einem das Reisen mit der Bahn - und die unvermeidlichen Umstiege - zur Qual werden lassen? Wer braucht schon zehn Paar Socken und einen Rasierapparat für sechs Stunden im Zug,  wer wechselt binnen dreihundertsechzig Minuten - davon fünfundsiebzig an irgendwelchen zugigen Bahnsteigen oder Perrons, wie es viel schöner klingt -  fünfmal das Oberteil und wäscht sich die Haare mit einer vollen Flasche Shampoo bis sie leer ist?
Warum, the fuck, muss das ganze Theater also Reisegepäck heißen. Wäre “Ballaststoffe” - denn überwiegend ist es ja Stoff oder Stoff vorgaukelndes Material - nicht viel treffender?
Aber gut, sei es wie es ist, wurde der Ballast doch gepackt - in den Rucksack, auf die Gepäckablage, liegt drohend über den am Fenster sitzenden Pendlern, die unüberlegt darauf vertrauen, dass ebenjene Metallgitterstreben die Erinnerung an eine gute Woche tragen können.

(mehr…)

Mär
14
2009
3

WENN FRAU SOMMER KOMMT,

Im Laufe der kommenden Woche wird an dieser Stelle eine Erklärung zu finden sein, warum der ursprüngliche Text auf dieser Seite nicht mehr zu finden ist.

Mehr Details folgen dann.

Feb
04
2009
0

nie versiegt mein fass

wasserstoffperoxid
die erinnerung daran ruht
in meinen flimmerhärchen, gerade geweckt
lassen sie mich
glauben, ich färbte mir die haare
- wie einst -
blau; wie das meeresrauschen
vage, unaufhaltsam penetrant.

ich will nicht
dran denken, will nicht
den sommer riechen, will nicht
dein lächeln schmecken, will nicht
die strandigen steine hören,
will nicht.

hinter der winterfrostigen klinke lauert
das fin de siècle,
rostige, aufgekratzte, auf diesen ort gewartet habende
seelen voller sinnesflut.

mein zimtenes blut
gerät in wallung, meine nase verstopft;
nie versiegt
mein fass voll schwarzer inspiration,
ich zücke meine feder.

(im hintergrund: carla bruni – quelqu‘un m‘a dit [erinnerungen kommen hoch, leider wenig produktiv])

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